Bedeutung:
Der Großherzog von Sachsen-Weimar hatte 1906 in Weimar eine Kunstgewerbeschule gegründet, als deren Leiter er van de Velde berief, der zuvor schon mehr in Werkstätten als in Ateliers richtungsweisend gewirkt und gelehrt hatte. Als dieser Deutschland verliess, schlug er Gropius als seinen Nachfolger vor, der diese Stelle 1919 antrat. Unter seiner Leitung wurde die Schule reorganisiert und Bauhaus benannt. Nach dem Manifest
von 1919 sollte das B. eine Handwerkerschule werden, in der alle Künstler, Architekten, Bildhauer, Maler usw. auf das grosse Ziel, “den neuen Bau der Zukunft”, hinarbeiteten. Das Manifest war in von hoher Begeisterung getragener Sprache gehalten und zeigte auf dem Umschlag den expressionistischen Holzschnitt einer Kathedrale von Feininger. Die erste Phase, die sich auf Ideen von William Morris stützte und von
der expressiven Stimmung jener revolutionären Nachkriegszeit im Deutschland der frühen 20er Jahre beflügelt wurde, war bald zu Ende. Die Gestaltung des Industrieproduktes wurde zum Ziel, und strenge kubische Formen lösten den Expressionismus ab. Dieser Umschwung, der durch Vorträge van Docsburgs im Jahre 1922 noch beschleunigt wurde, fand entscheidenden Ausdruck in der Berufung von Moholy-Nagy (1923) und in einem Memorandum von Gropius vom Jahre 1924
(Kunst und Technik, eine neue Einheit). Im gleichen Jahr erzwangen politische Veränderungen in Weimar die Auflösung des Bauhauses. Der Bürgermeister von Dessau (und sein Kulturreferent Ludwig Grote) ermöglichte die Verlagerung der Schule in seine Stadt. 1925/ 26 Errichtung des Bauhausgebäudes nach Entwürfen von Gropius, 1926 Anerkennung als Staatliche Hochschule von Anhalt und damit Aussicht auf gesicherte Entwicklung. Jetzt auch Aufbau einer
Architekturabteilung; 1927 wurde Hannes Meyer ihr Leiter. 1928 trat Gropius von der Leitung des Bauhauses zurück und schlug Meyer als Nachfolger vor. Meyer war politisch viel stärker engagiert als Gropius; er baute die Architekturabteilung aus, wurde aber schon 1930 aus politischen Gründen entlassen. Ihm folgte Mies van der Rohe, der infolge des wachsenden Nationalsozialismus ebenfalls bald entlassen wurde. Er hoffte die Schule durch einen fachlich wissenschaftlichen Standpunkt aus den
politischen Wirren herauszuhalten. Auf Druck der Nationalsozialisten beschliesst das Stadtparlament von Dessau 1932 die Schliessung des Bauhauses; Mies van der Rohe versuchte mit geringem Erfolg die Fortführung als Privatinstitut in Berlin, musste aber 1933 aufgeben. Das Baushaus ist die wichtigste Kunstschule des 20.Jhs. Ihre Bedeutung lag darin, daß Künstler und Handwerker und zum Schluss auch Architekten zusammenarbeiteten. Anfangs waren im Vorkurs
von Johannes Itten alle zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen; Absicht des Kurses war die Ausbildung eines theoretisch fundierten Form- und Farbsinnes, den jeder Handwerker und Künstler besitzen sollte. Etwas später wurde das B. zur einzigen Kunstschule, in der Vorbilder für Industrieprodukte entwickelt wurden. Ausserdem wurde Gropius Architekturstil zu Recht zum Symbol des Schulprogrammes. Mit seiner strengen Sachlichkeit, den kubisch klaren, weissen Flächen bestimmte er den
Internationalen Stil massgeblich. Das Eindrucksvollste am Bauhaus war jedoch, daß Gropius persönliche Ausstrahlungskraft und seine pädagogische Begabung es ermöglichten, daß Männer wie Kandinsky, Feininger, Klee, Schlemmer zusammenarbeiten konnten. |